Schnell und sicher priorisieren mit Choicing

choicing.org
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Mit Choicing lässt sich jede (Aufgaben-)Liste schnell und sicher priorisieren. (Ausführlich und mit Hintergründen dazu hier). Es war Zeit für einen neuen Anstrich unseres Lieblings-Werkzeugs und so haben wir kurzerhand Chocing.org und Choicing.de hübsch gemacht.

Priorisieren, nicht mehr und nicht weniger

Außerdem fanden wir es ander Zeit, Choicing auf den absoluten Kern zu reduzieren. (AGILEMENT-Nutzer: Keine Angst, in Eurem Account ist weiterhin die vertraute Version mit allen Zusatz-Feutures enthalten.)

Hier gibt es die neue Video-Kurzanleitung, mit der, so hoffen wir, wirklich jeder und jede die leidige Priorisierungsfrage (die dennoch so wichtig ist!) ein für alle Mal für sich lösen wird.

Arbeit in der Elternzeit: Grundregeln & Tipps (3)

Arbeit in der Elternzeit: Grundregeln 3
Arbeit in der Elternzeit: Grundregeln 3

Vor kurzen haben ich an dieser Stelle versucht, einige Grundregeln zu formulieren, damit die Herausforderung „Arbeit in der Elternzeit“ (Eltern-Teilzeit) gelingt, also für Eltern und Kind zu einer möglichst schönen Zeit werden kann. Die Überlegungen, die dort zur Sprache kamen, waren vor allem zur Vorbereitung gedacht; heute geht es mitten hinein. Das Abenteuer hat also begonnen, Glücksmomente und Überforderung liegen (zumindest war das bei mir so) immer nur 3 Sekunden voneinander entfernt, wir haben verinnerlicht, dass bei allem Arbeits-Ehrgeiz die Bedürfnisse des Kindes die Führung haben müssen. Vielleicht hat sich schon ein gewisser Rhythmus eingespielt, vielleicht noch nicht wirklich. Ruhe bewahren, es wird.

Arbeit in der Elternzeit ist Beruf und Familie zum Quadrat

Konzentrieren wir uns also jetzt auf die – knappe – Zeit, die wir täglich für die Arbeit zur Verfügung haben. Wie sorgen wir dafür, dass wir in dieser Zeit das Maximale erreichen, damit wir uns in der eigentlichen Elternzeit auf unser Kind konzentrieren können und uns diese einmalige Erfahrung nicht unnötig durch schlechte Organisation vermiesen. Damit sind wir beim Stichwort: „Beruf und Familie“, also der Alltag von berufstätigen Eltern, ist schon an sich eine Übung, die ein hohes Maß an (Selbst-)Organisation verlangt, damit sie gelingen kann. Eltern-Teilzeit ist das ganze zum Quadrat. Ich habe am eigenen Leib erlebt, wie frustrierend diese Zeit sein kann, wenn „nur“ die eigene Organisation nicht passt. Und um eines gleich klar zu machen: Nichts von dem, was nötig ist, um diese Frustration zu vermeiden, ist kompliziert und benötigt mehr als etwas Disziplin.

Arbeitsumgebung in der Elternzeit: Aufgeräumt

Tun Sie sich den gefallen und gehen Sie mit einer aufgeräumten Arbeitsumgebung in die Eltern-Teilzeit. Sie haben keine Zeit zum Suchen, sei es auf dem Schreibtisch, im E-Mail-Posteingang oder in all den Notizzetteln, auf denen Sie Ihre Aufgaben notiert haben. Räumen Sie auf. Führen Sie nur eine einzige Aufgabenliste und leeren Sie Ihren Posteingang täglich und konsequent. Wie das gehen kann, können Sie hier nachlesen.

Priorisieren, priorisieren, priorisieren

Wenn Sie nur eine Regel beherzigen wollen, es sollte diese sein. Priorisieren Sie täglich und absolut radikal. Sie werden in der Arbeitszeit, die Ihnen in der Elternzeit zur Verfügung steht nur Zeit für die wichtigsten und dringendsten Dinge haben. Zu allem anderen „Nein“ zu sagen, ist überlebenswichtig. Delegieren und schlicht nicht tun werden ihre zwei besten Freunde sein und wenn die Kollegen (so sie welche haben) das nicht verstehen, dann waren Sie vermutlich nie in der Situation, in der Sie sich jetzt befinden. Wie aber priorisiert man richtig, wenn man darauf angewiesen ist, aber keine Zeit zu verschenken hat? Es gibt viele Möglichkeiten, aber für alle brauchen Sie eines: Eine klare Übersicht über Ihre Aufgaben, am besten in einer einzigen Liste. Wenn Sie diesen wichtigen Schritt getan haben, versuchen Sie es mal mit choicing.de und lassen Sie mich gern wissen, was Sie davon halten.

Die Königsdisziplin (auch in der Elternzeit): Tagesplan

Ich sage es in jedem meiner Seminare: Tagesplanung ist meiner Ansicht nach die Königsdisziplin der Selbstorganisation; schlicht deshalb, weil ein realistischer Tagesplan die eine Maßnahme ist, die Sie am weitesten nach vorne bringen wird. Das tägliche Aufstellen eines realistischen Tagesplans (gerade in der Elternzeit gerne auch für die Nicht-Arbeitszeit) führt zu mehr erreichten Zielen, weniger Stress und einem sicheren Gefühl, dass einem nichts Wichtiges durch die Lappen geht. Aber Achtung: Ein Plan ist ein Plan und nicht das Leben selbst. Gerade in der Elternzeit ist die Balance zwischen guter Planung der Arbeitszeit, nur grober Planung der restlichen Zeit (denn Tagesstruktur ist wichtig, aber Sie wollen Ihrer Zeit mit dem Kind kein Korsett anlegen) und großzügigem Erwartungsmanagement entscheiden. Denn nur, weil Sie etwas geplant haben, wird es noch nicht (immer) passieren. Und das ist vielleicht die wichtigste von allen Grundüberlegungen zur Elternzeit.

Dr. Andreas KellnerAndreas Kellner ist Vater zweier Töchter, promovierter Politikwissenschaftler und Geschäftsführer dreier Firmen. Selbstorganisation war für ihn lange reine Notwehr, heute gibt er Seminare zum Thema.

Projektmanagement mit Bordmitteln: Kommunikation

Projektmanagement mit Bordmitteln: Kommunikation
Projektmanagement mit Bordmitteln: Kommunikation

Letzte Woche habe ich an dieser Stelle für den Versuch plädiert, Projektmanagement (oder Projektsteuerung) zunächst einmal mit Bordmitteln, also minimaler Infrastruktur zu betreiben. Heute möchte ich einige Gedanken und Empfehlungen zum ersten der drei dort erwähnten Infrastruktur-Grundpfeiler loswerden, den Kommunikationswegen.

Weniger Kommunikationskanäle = weniger Probleme

Gute Kommunikation ist einer der Schlüssel zu guten Projektmanagement. Gutes Projektmanagement ist Projektmanagement, das dem Projekterfolg dient also dafür sorgt, dass das Projektziel erreicht wird. Kommunikation im Projekt muss sich also ebenfalls dadurch auszeichnen, dass sie das Projektziel unterstützt. Klingt logisch? Sicher, ist aber nicht immer so. Ok, weiter im Text. Erste Grundregel für gute Kommunikation: So wenige Kommunikationskanäle wie möglich nutzen. Warum? Weil weniger Kommunikationskanäle weniger Probleme bedeuten.

Viele Kommunikationskanäle = viele Probleme

Zwei Beispiele:

1. Heute Morgen wurde ich Zeuge eines Streits zwischen zwei Software-Programmierern (gestandene Leute, keine Anfänger), die sich gegenseitig vorwarfen, den jeweils anderen nicht informiert zu haben, wodurch es zu Zeitverzug gekommen war. Was war das Problem? Das Problem war, das beide sehr wohl versucht hatten, mit dem anderen zu kommunizieren, nur eben auf unterschiedlichen Kanälen.

2. Was ist in letzter Zeit die häufigste Frage, die ich zum Thema Selbstorganisation zu hören bekomme? Die nach einem Weg, neben E-Mail, Telefon, Kollegen in der Tür auch Slack (ein Chat-Programm, besonders bei jüngeren IT-Spezialisten beliebt), Skype und WhatsApp so zu verwenden, dass man auch noch zum konzentrierten Arbeiten kommt. Meine erste Frage ist dann immer (und so wird es auch bleiben): Seid Ihr sicher, dass Ihr all diese Kanäle zur Kommunikation braucht?

Also: Tut euch selbst den Gefallen und hinterfragt vor Projektstart, ob das Chat-Programm, das ach so gut auf dem Handy läuft und in dem man so einfach Gruppen zur gezielten Kommunikation erstellen kann, wirklich Voraussetzung für einen besseren Projekterfolg ist.

Nächster Schritt: Kommunikationsregeln und Einstellungen

Alle immer in CC und jede Chat-Nachricht per E-Mail an alle, die nicht online sind? Ein guter Weg, Menschen kommunikationsmüde zu machen. Ja, es ist ein Mal mühsam, zu entscheiden, wer was wirklich wissen muss und welche Einstellungs-Entscheidungen ich für meinen Account im Projekt-Ticketsystem treffe. Aber es ist nötig. Und gerade der Projektverantwortliche muss entscheiden, in welchen Kommunikationssträngen er wirklich partizipieren muss und wo besser ein regelmäßiges Nachfragen nach dem erreichten Stand des Teams praktiziert wird. Auf der anderen Seite ist das Ausscheren einzelner Team-Mitglieder aus den verabredeten Kommunikationsregeln (und seien es sinnlose Betreffzeilen in E-Mails) sofort zu unterbinden, sonst kann man sich die Vereinbarung auch sparen.

Kommunikationskanäle bestimmungsgemäß nutzen

Also: Vor Projektbeginn wirklich prüfen, ob es (neben Meetings, das ist ein eigenes Thema) für das Projekt nicht völlig ausreicht, wenn entweder überhaupt nur ein einziges Kommunikationsmittel, zu den alle Zugang haben, verwendet wird, z.B. die E-Mail. Oder ob zwar für die ad-hoc-Abstimmung der ausführenden Projektmitarbeiter (gerade wenn sie räumlich getrennt arbeiten) ein Chat-Programm sinnvoll ist, aber der Teil der Kommunikation, der auch eine gewisse Dokumentationsfunktion hat, generell ausschließlich per E-Mail stattfindet. Denn nicht jeder Kommunikationskanal eignet sich für jede Art der Kommunikation. Ping-Pong per E-Mail kann problematisch sein, vor allem, wenn die „Löschen“-Taste einigen Projektteilnehmern unbekannt ist. Genauso ist es aber unsinnig, via Skype Anweisungen zu geben, auf die man sich später beziehen will, allein schon deshalb, weil aus Skype heraus keine vernünftige Nachverfolgung möglich ist, während das E-Mail-Programm dies sehr wohl leistet. Werkzeuge anders zu nutzen, als sie gedacht sind, ist selten sinnvoll und manchmal gefährlich. Wäre das Allgemeingut, hätten wir auch keinen Facebook-Skandal ;-).

 

Dr. Andreas KellnerAndreas Kellner ist Vater zweier Töchter, promovierter Politikwissenschaftler und Geschäftsführer dreier Firmen. Selbstorganisation war für ihn lange reine Notwehr, heute gibt er Seminare zum Thema.

Projektmanagement mit Bordmitteln: Was ist das Methoden-Minimum?

Projektmanagement mit Bordmitteln
Projektmanagement mit Bordmitteln

Projektmanagement (oder „Projektsteuerung“) ist, sieht man sich die Anzahl der Veröffentlichungen, der verfügbaren Werkzeuge und der Beratungsangebote an eine eigene Wissenschaft. Das ist kein Wunder, denn zum einen ist die erfolgreiche Steuerung von Projekten ein enormer Hebel für den Erfolg von Firmen und das Funktionieren von Institutionen. Und zum anderen ist Projektmanagement keine triviale Disziplin. Man muss nicht das dennoch allgegenwärtige BER-Flughafen-Beispiel anführen: Auf dem Weg von Projektplanung bis zur letzten Deadline kann auch in kleinen Projekten viel schief gehen. Und wir Normalsterblichen haben ja nicht die scheinbar endlos tiefen Taschen (und Geduld) des Steuerzahlers in der Hinterhand, um bei Nichterreichen des Projektziels zum vorgesehenen Zeitpunkt einfach zwei weitere Jahre Fortgang zu beschließen.

Projektmanagement darf kein Selbstzweck sein

Es macht also in jedem Fall Sinn, sich mit der Frage, wie man ein Projekt zum Erfolg steuern sollte, zu beschäftigen. Auf der anderen Seite kann aber genau diese Beschäftigung leicht zum Selbstzweck werden. Gerade für Tool- oder Methoden-affinen Menschen gibt es im Bereich des Projektmanagements unzählige Möglichkeiten, sich mit Fragen zum „Weg“ so gründlich zu verzetteln, dass man das Ziel aus den Augen verliert. Und je ausgefeilter die Methoden und Werkzeuge, desto leichter ist die Illusion aufrecht zu erhalten, dass alles wunderbar läuft, wenn es eigentlich schon klar ist, dass das Projektziel nicht mehr zu erreichen ist.

So viel wie möglich mit Bordmitteln machen

Ich erinnere mich gut an unsere Euphorie, als wir unsere erste Projektmanagement-Software mit ausgeklügeltem Ticket-System anschafften – um dann erst einmal Wochen damit zu verbringen, sie nach unserem Geschmack umzuprogrammieren, statt die gleiche Zeit damit zu verbringen, unsere eigentlichen Ziele voranzubringen. Um das aber auch gleich zu sagen: Ja, ich habe auch Beispiele, in denen Projektmanagement-Software wesentlich zum Gelingen des Projekts beigetragen hat. Es kommt eben darauf an. Aber worauf kommt es an? Nun, kurz gesagt kommt es darauf an, dass die verwendeten Werkzeuge und Methoden zu jedem Zeitpunkt dem Projekterfolg dienen und nicht zum Selbstzweck werden. Die Faustregel kann also nur lauten: So wenige Werkzeuge und Methoden einzusetzen bzw. extra einzuführen, wie irgend möglich und stattdessen so viel Projektmanagement mit vorhandenen Bordmitteln zu betreiben, wie es geht.

3 Grundbedingungen der Projekt-Infrastruktur

Was also braucht es für erfolgreiches Projektmanagement ganz grundsätzlich? (Ich spreche in der Folge bewusst nicht von den vorgelagerten Fragen der Hierarchie im Team und der Team-Zusammensetzung. Zu diesen Fragen habe ich zwar eine Meinung, aber die gehört an eine andere Stelle, da sie Bedeutung weit über das Thema Projektsteuerung hinaus haben.) Ich denke, es sind vor allem drei Bedingungen, die erfüllt sein müssen; die nötige Infrastruktur:

  1. Die Kommunikation-Wege im Projekt-Team müssen verbindlich vereinbart sein und funktionieren.
  2. Es muss einen zentralen Ort geben, an dem alle Projekt-Ressourcen, also alle mit dem Projekt verbundene Informationen, Teil- und Zwischenergebnisse etc. für alle Projektmitarbeiter problemlos und in aktueller Version verfügbar sind.
  3. Es muss, neben ad hoc-Abstimmungen einzelner Teammitglieder oder den in größeren Projekten ohnehin stattfindenden Meetings von Teil-Teams, ein regelmäßiges, verbindliches Zusammentreffen des Gesamt-Teams geben. In sehr großen Projekten kann das auch bedeuten, dass Teil-Teams Emissäre zu diesem Gesamtmeeting schicken, denn natürlich begrenzt das Erfordernis der Praktikabilität die maximale Anzahl Meeting-Teilnehmer, auch beim Einsatz von Videokonferenz-Software auf „natürliche“ Weise.

Genügt vielleicht das Minimum?

Was bedeutet das? Das bedeutet, dass im Grundsatz nichts dagegen spricht, auch ein größeres Projekt mit Hilfe von E-Mails zur Kommunikation, einem für alle zugänglichen Projekt-Ordner in der „Cloud“ und einem wöchentlichen, fixen Treffen in der Teeküche, dem Konferenzraum, dem Lieblings-Café oder dem Skype-Gruppenchat zu steuern. Über diese in fast allen Fällen vorhandenen Bordmittel hinaus muss jedes weitere Werkzeug seine Berechtigung erst einmal beweisen. Und selbst wenn man sich aus welchen guten Gründen auch immer bereits sicher ist, dass weitere Werkzeuge hinzukommen sollen, so macht es Sinn, deren Berechtigung an diesen Grundbedingungen abzuprüfen.

Mehr zu diesen Grundbedingungen, ihrem Sinn und Möglichkeiten der Umsetzung in Kürze an dieser Stelle.

Dr. Andreas KellnerAndreas Kellner ist Vater zweier Töchter, promovierter Politikwissenschaftler und Geschäftsführer dreier Firmen. Selbstorganisation war für ihn lange reine Notwehr, heute gibt er Seminare zum Thema.

Aus Chaos wird Tagesplan – immer wieder

Aus Chaos wirtd Tagesplan
Aus Chaos wird Tagesplan

Preisfrage: Warum löst die eigene Schulzeit bei vielen Menschen, die bereits im Arbeitsalltag stehen, Nostalgie aus? Antwort: Neben Freundschaften, Sommerferien und Schokomilch behaupte ich, dass das mit dem Vorhandensein eines Stundenplans zu tun hat.

Vom Stundenplan zum Tagesplan

Warum das? Nun, weil uns eine wichtige Entscheidung zu jeder Zeit abgenommen wurde: Was wir heute tun werden. Ja, ich weiß auch, dass es gefühlt 500 pädagogisch wertvolle Gründe gibt, die Kinder schon in unteren Schulklassen selbst entscheiden zu lassen, was sie als nächstes tun. Und ja, wenn Stunden- und Tagesplanung bis ins extrem durchdenkt, kommt unter dem Strich Nordkorea dabei heraus, aber ich kann mir nicht helfen. Wenn ich höre, dass 7jährige selbst entscheiden sollen, wann sie Deutsch, Mathe oder sonst etwas machen sollen, denke ich immer nur: die Armen. Sind wir ehrlich: Schon viele von uns Erwachsenen empfinden es als echte Herausforderung, einen Tag sinnvoll zu füllen, das „Carpe diem“ in die Praxis umzusetzen. Aber, und damit bin ich beim Punkt angelangt, wir können uns helfen. Und zwar indem wir unseren Tag tatsächlich planen und zwar Stunde für Stunde wie in der Schule und bevor wir mit der Arbeit beginnen.

Aus Chaos wird (wieder) Tagesplan

Ich schreibe jetzt seit etwa 2 Jahren konsequent Tagesplan, aber nach dem Osterurlaub war es mal wieder soweit: Aufgabenliste voll (E-Mail-Posteingang glücklicher Weise nicht: https://www.blog.agilement.de/2018/04/11/arbeit-im-urlaub-die-e-mail-entscheidung/), noch nicht wieder ganz an der Arbeit angekommen, und: Chaos. Ehe ich es mich versah: Chaos und der Versuch es über „Multitasking“ rauszureißen. Was ist eigentlich los, denke ich nach drei Tagen, irgendwas fehlt doch? Genau, mein Tagesplan fehlte. Also wieder konsequent einsteigen und den Tagesstart bis zum Tagesplan durchziehen. Besser? Ja, besser, aber auch eine wichtige Lektion. Denn offenbar dachte ich, oder zumindest dachte ein Teil von mir, dass ich doch mittlerweile so organisiert bin, dass ich auch ohne die „Krücke“ Tagesplan gut durch den Tag komme. Fehlanzeige. Ist das nun eine Niederlage? Nein!! Ist es nicht, schon die Frage ist Unsinn. Denn wenn doch ein System für mich funktioniert, warum es nicht dankbar annehmen anstatt es in gekränkter Ehre als „Krücke“ zu denken?

Königsdisziplin Tagesplan

In meinen Seminaren spreche ich vom Tagesplan immer als der Königsdisziplin der Selbstorganisation, auch weil er dafür sorgt, dass man gezwungen ist, sich um die anderen Themen (E-Mails, Aufgaben, Priorisierung etc.) auch zu kümmern. Arzt heile Dich selbst? Ja, auf jeden Fall. Und um auf die Schulzeit zurückzukommen: Das Leben im Berufsalltag ist für die meisten von uns anspruchsvoll genug (ein Glück!), warum sich also nicht zumindest den Stress ersparen, den das Gefühl auslöst, den Tag irgendwie verschwendet zu haben und nicht vorangekommen zu sein. Der Tagesplan ist eine mächtige Waffe in diesem Kampf, solange man nicht glaubt, dass die Welt sich immer nach meinem Plan dreht und immer alles funktioniert wie geplant. Aber das ist ein anderes Thema.

Dr. Andreas Kellner

Andreas Kellner ist Vater zweier Töchter, promovierter Politikwissenschaftler und Geschäftsführer dreier Firmen. Selbstorganisation war für ihn lange reine Notwehr, heute gibt er Seminare zum Thema.

New Work: Was heißt das?

New Work: Holzhütten im Großraumbüro?
New Work: Holzhütten im Großraumbüro?

Work-Life-Balance, Agilität und jetzt „New Work“: Ist der neue „Megatrend“ (ich dachte, wir sind mittlerweile eigentlich bei „Tera…“ ;-)) New Work eine leere Hülse und wenn nein, was steckt drin?

New Work in der Blockhütte

Das Foto mit der Blockhütte, die etwas mit ihrer doch recht industriell anmutenden Umgebung zu fremdeln scheint, stammt von Einem AGILEMENT-Workshop bei „Bosch Cognitive Services“, einer neugegründeten Arbeitseinheit bei Bosch, die sich mit innovativer praktischen Anwendung von Künstlicher Intelligenz befasst. Für die im Büro tätigen Mitarbeiter bei Bosch ist es – ähnliches war kürzlich auch über Microsoft Deutschland zu lesen – mittlerweile normal, keinen festen Arbeitsplatz zu haben, sondern einfach morgens einen freien Platz zu besetzen, den Laptop aufzumachen und zu arbeiten. Im Silicon Valley und im Coworking Space fast schon ein alter Hut, sind solche als Teil von „New Work“ apostrophierten Arbeitsorganisations-Umstellungen in „Corporate Germany“ durchaus noch als revolutionär zu betrachten.

New Work = Agilität + Individualität + Blockhütte?

Individualität, Agilität, flachere Hierarchien und offene Bürokonzepte (die Blockhütte im Bild dient als ad-hoc-Meetingraum für das ansonsten im Großraumbüro verstreut arbeitende Team), so scheint die Realität von „New Work“ auszusehen. Liest man beim Begriffsbegründer von „New Work“, dem US-Österreicher Frithjof Bergmann nach, ist das erste, was auffällt, dass der Begriff von der neuen Arbeit selbst bereits über 30 Jahr alt ist. Bergmann ging (und geht) es dabei um nichts weniger als um eine Neubestimmung des gesamten, individuellen wie gesellschaftlichen Verständnisses zur Arbeit. Dabei erwächst die Notwendigkeit dieser Neubestimmung aus der Überzeugung, dass wir vor dem Ende der Industriegesellschaft stehen. In den 1980er Jahren diagnostizierte Bergmann dieses noch am Beispiel des Niedergangs der klassischen Automobilindustrie in den USA, heute sieht er – wie so viele – die Digitalisierung als entscheidende Treibfeder.

New Work = Ende der Erwerbsarbeit?

Was soll man nun von einem Begriff halten, wenn derjenige, der ihn geprägt hat, vom Ende der Erwerbsarbeit in den entwickelten Industrienationen spricht? Und was hat das mit der Blockhütte bei Bosch zu tun? Vielleicht sind wir einfach gesellschaftliche Großdiagnosen und entsprechende sozialutopische Lösungsansätze, die Bergmann auch liefert, nicht mehr gewöhnt. Jedenfalls geht der erste Reflex doch – zumindest bei mir – durchaus in die Richtung „Nur weil es jetzt bald selbstfahrende Autos gibt, heißt das doch nicht, das bald niemand mehr arbeitet, um Geld zu verdienen.“ Nun, so blauäugig sind Bergmann und seine Adepten nicht (vgl. z.B. ein recht aktuelles  Interview mit ihm und Markus Väth).

Die Großen und die Kleinen

Aber für den Moment sieht es doch so aus, als wären die ganz konkreten Folgen von „New Work“ für die Mitarbeiter in Unternehmen, die sich dieses Schlagwort auf die Fahne schreiben, ein Zuwachs an Eigenverantwortung, Flexibilität und Mitentscheidungsmöglichkeiten. Das muss man sicher nicht misstrauischer beäugen als nötig, zumal die derzeitigen und künftigen Berufseinsteiger zumindest hierzulande – so sie gut ausgebildet sind – über einen recht langen Hebel verfügen. Eines ist aber auch klar: Wenn ich im Arbeitsalltag mehr eigene Entscheidungen treffen darf, mir meine Zeit selbst einteilen soll und schnelle Ergebnisse statt langer Prozesse gefragt sind, ist das nicht nur Chance, sondern auch Herausforderung. Eine solide Selbstorganisation erscheint nötiger denn je. Während wir auf das Ende der Arbeit wie wir sie kennen warten, passiert nämlich hauptsächlich eines: Die Großen lernen von den Kleinen (wieder), warum Agilität und Flexibilität in einer hochdynamischen Umgebung einfach wichtige Erfolgsmerkmale sind. Mag sein, dass New Work einmal für mehr stehen wird, im Moment ist das Faktum Erwerbsarbeit sicher nur für eine winzige Gruppe von Menschen am Verschwinden.

Dr. Andreas KellnerAndreas Kellner ist Vater zweier Töchter, promovierter Politikwissenschaftler und Geschäftsführer dreier Firmen. Selbstorganisation war für ihn lange reine Notwehr, heute gibt er Seminare zum Thema.

Arbeit im Urlaub: Die E-Mail-Entscheidung

Arbeit im Urlaub - Was tun mit E-Mails?
Arbeit im Urlaub – Was tun mit E-Mails?

Über Ostern war es wieder soweit: Die Entscheidung „Wie viel Arbeit im Urlaub?“ stand an. Dass Arbeiten ein Teil des Urlaubs ist, ist für viele von uns, besonders wenn wie in verantwortlichen Positionen tätig sind, normal. Aber auch viele, die im Urlaub tatsächlich Arbeit Arbeit sein lassen können, kommen an einer Entscheidung nicht vorbei: Was tun mit E-Mails?

Arbeit im Urlaub: Die E-Mail-Entscheidung

Klar, es gibt Abwesenheitsnotizen – mehr oder weniger drohend formuliert – und allerlei weitere technische Kniffe. Aber grundsätzlich kommen E-Mails auch im Urlaub und daher bleibt die Entscheidung nötig: Schaue ich regelmäßig in die E-Mails und mache im besten Fall den Posteingang leer (meine Empfehlung dazu (5 Minuten-Video): https://www.youtube.com/watch?v=hFIykEsMg1Q)? Oder lassen wir den Mail-Berg während des Urlaubs auflaufen und nehmen uns nach der Rückkehr die Zeit zum Abtragen?

E-Mails im Urlaub: Liegen lassen oder nicht?

Für diejenigen unter uns, die – gefühlt oder tatsächlich (ein anderes Thema!) – nicht auf den Arbeits-Informationsfluss im Urlaub verzichten können, liegt der Fall klar: Regelmäßig in die Mails schauen, aber bitte bewusst, zeitlich klar begrenzt (z.B. max. 1 h pro Tag) und mit System (siehe Video oben). Für alle anderen ist die Entscheidung schlicht eine des kleineren Übels: Was ist mir lieber: Regelmäßig den Urlaub kurz unterbrechen, dafür mit (fast) leerem Posteingang zurück an die Arbeit? Oder den ersten Arbeitstag im schlimmsten Fall komplett im Posteingang, dafür Ruhe im Urlaub?

Egal wie Sie entscheiden; wichtig ist: Entscheidung bewusst treffen und dabei bleiben!

Dr. Andreas KellnerAndreas Kellner ist Vater zweier Töchter, promovierter Politikwissenschaftler und Geschäftsführer dreier Firmen. Selbstorganisation war für ihn lange reine Notwehr, heute gibt er Seminare zum Thema.

Arbeit in der Elternzeit: Grundregeln & Tipps (2)

Arbeit in der Elternzeit: Grundregeln & Tipps (2)
Arbeit in der Elternzeit: Grundregeln & Tipps (2)

Letzte Woche haben wir versucht, die Entscheidung „Arbeit in der Elternzeit – wollen wir das?“ mit einigen Grundüberlegungen zu erleichtern. Heute sind wir einen Schritt weiter: Wir haben uns entschieden, die Herausforderung Eltern-Teilzeit anzugehen und bald geht es los. Einige Grundregeln, die uns helfen werden, die neue Situation für unseren Nachwuchs und uns selbst zu einer schönen Zeit zu machen.

Im Zweifel geht das Kind vor, was sonst?

Es mag eine Selbstverständlichkeit sein, aber es kann helfen, wenn wir sie uns in ihrer Tragweite verdeutlichen: Wir haben uns entschieden, ein Kind zu haben und sind nun für sie oder ihn verantwortlich. Besonders in den ersten Monaten seines Lebens kann unser Kind ohne uns nicht existieren; das ist eine große Verantwortung. Sie verpflichtet uns nicht zum Perfektionismus (und Gott weiß, es fällt schwer, gerade hier nicht diesen absoluten Maßstab an uns selbst zu halten, aber es bedeutet, dass im Zweifel die Bedürfnisse des Kindes vorgehen. Vor das, was die Arbeit von uns fordert und – auch wenn das unpopulär ist und nicht aus der Balance geraten darf, denn wir sind ebenfalls wichtig! – oft auch vor unseren eigenen Bedürfnissen. Ein Kind lässt sich nicht durchplanen wie ein Meeting mit Untergebenen. Und unsere Teilzeit-Elternzeit wird voller Situationen sein, in denen der Plan nicht aufgeht, weil unser Kind eben gerade nicht „mitspielt“. Deshalb: Im Zweifel geht das Kind vor, was auch sonst? Und ich verspreche: jedes einzelne Mal, wenn wir es geschafft haben, in einer Situation, in der Elternzeit und Teilzeit-Arbeit kollidieren, halbwegs entspannt geblieben sind, uns um das Kind gekümmert haben und die Arbeit eben kurz warten musste, werden wir im Nachhinein feststellen, dass sich die Erde trotzdem weitergedreht hat.

Nur das kontrollieren wollen, was wir kontrollieren können und sollten

Wenn ich überlege, was mir als Vater am schwersten fällt, ist es wohl die Tatsache, dass ich eben nicht alles kontrollieren kann, was meine Kinder betrifft. Genauso wenig wie ich die Freunde meiner Kinder aussuche, kann ich bestimmen, dass der Mittagsschlaf immer genau gleich lang dauert. Und ich kann zwar versuchen, die Wohnung auch in der Brei-Fütter-Phase immer auf Hochglanz zu halten, aber auch hier gilt: der Tag hat nur 24 Stunden und ich muss mir überlegen, ob es sich wirklich lohnt, die Hälfte der Zeit mit dem Putzlappen in der Hand herumzurasen. Elternschaft und eben auch Elternzeit bedeutet auch: Kontrolle abgeben, mal Dinge gut sein lassen. Das heißt nicht, Chaos zum gültigen Grundprinzip zu erklären! Eine vernünftige, regelmäßige Tagesstruktur ist zum Beispiel mit das wertvollste, was wir für das Zufriedensein unserer Kinder tun können, darin sind sich alle ernst zu nehmenden Experten (siehe unten) einig. Aber es geht nicht darum, aus unseren Kindern kleine Soldaten zu machen. Wenn jede Minute des Tages verplant ist, wie wollen wir unsere Kinder kennenlernen und sie uns? Also im Zweifel weniger vornehmen und nur das kontrollieren, was wir kontrollieren können. Denn wir können fast nichts von dem, was auf uns zukommt, wirklich kontrollieren, aber wir können kontrollieren, wie wir damit umgehen. Und je gelassener wir das tun, desto besser.

Getrennte Arbeitszeiten

Ja, ich habe mal im Prenzlauer Berg gelebt und ja, ich habe auch ab und zu zu den Vätern gehört, die E-Mails beantwortet haben, während mein Kind daneben im Sandkasten gespielt hat. Ich sage auch nicht, dass das immer falsch ist, aber mich hat dieses „Multitasking“ auf Dauer nur gestresst und das hat meine Tochter genau gemerkt. Ja, ich muss die zugesagte Arbeitszeit in der Elternzeit irgendwo unterbringen aber erstens nur im zugesagten Umfang und zweitens nicht zwingend dann, wenn mein Kind wach ist und meine Aufmerksamkeit möchte. Lässt sich das immer perfekt organisieren? Nein. Lässt sich das in der Regel vernünftig organisieren, wenn sich erst einmal ein vernünftiger Tagesrhythmus eingespielt hat. Ja. Es gibt Abende, Mittagsschlafzeiten, Wochenenden und im Zweifel, wir hatten es bereits gesagt, dreht sich die Welt weiter, wenn die Arbeit mal warten muss. Wirklich.

Vorsicht bei den Ratgebern!

Super-Nannies gibt es nicht nur im Fernsehen. Es gibt sie überall, die Väter und Mütter, die alles perfekt machen und deren Sendungsbewusstsein so groß ist, wie das eines evangelikalen Missionars. Und die Bücher über kindliche Entwicklung und Erziehung füllen ganze Buchläden. Ich weiß, das mag radikal klingen, aber ich habe für mich festgestellt, dass ich eigentlich nur aus 4 Quellen wirklich gute Ratschläge für mein Vater-Sein gezogen habe:

  1. Von meiner Frau (da habe ich einfach Glück gehabt)
  2. Aus meinem Bauch (es hat etwas gedauert, bis ich gelernt hatte, auf den zu hören)
  3. Aus „Babyjahre“ des Schweizer Kinderarztes Remo Largo (wenn Sie nur ein Buch über Entwicklung und Erziehung kaufen, dann bitte dieses)
  4. Aus diversen Artikeln und Interviews des dänischen Familientherapeuten Jesper Juul (der Mann ist völlig zurecht so berühmt, wie er ist)

In Kürze an dieser Stelle: Grundregeln, Gelassenheit und bewusstes Entscheiden, alles richtig. Aber was können wir praktisch tun, um Teilzeit-Arbeit und Elternzeit halbwegs unter einen Hut zu bringen? Warnung: An einem Minimum an Selbstorganisation führt kein Weg vorbei.

Dr. Andreas Kellner

Andreas Kellner ist Vater zweier Töchter, promovierter Politikwissenschaftler und Geschäftsführer dreier Firmen. Selbstorganisation war für ihn lange reine Notwehr, heute gibt er Seminare zum Thema.

Arbeit in der Elternzeit: Grundregeln & Tipps (1)

Arbeit in der Elternzeit: Grundregeln und Tipps
Arbeit in der Elternzeit: Grundregeln und Tipps

Arbeiten in der Elternzeit ist so etwas wie die extremste Form der Herausforderung, Elternschaft und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Besonders schwierig kann das für diejenigen von uns sein, denen eben beides, die Familie und die Arbeit, wichtig sind. Einige grundsätzliche Überlegungen sind sinnvoll, damit der Spagat (der es immer ist) nicht zur Zerreißprobe wird.

Arbeit in der Elternzeit: Bewusst entscheiden

Sicher, für viele von uns ist die Frage, ob wir in der Elternzeit arbeiten wollen, gar keine ganz offene. Gerade in der Selbständigkeit ist des komplette Aussetzen für mehrere Monate oder länger nichts, was einem oder einer leicht fallen wird. Dennoch: Genauso bewusst, wie wir uns für unsere Kinder und unseren Beruf entschieden haben (hoffentlich), sollten wir uns auch für die Elternzeit mit Teilzeit-Arbeit entscheiden. Die Fragen „Will ich das?“ und „Warum mache ich das?“ gehören genauso zur Vorbereitung, wie die Informationsbeschaffung zum „technischen Ablauf“ (Rechte, Pflichten gegenüber dem Arbeitgeber, Elterngeld etc.), zum Beispiel auf den Seiten des zuständigen Bundesministeriums. Denn eine Entscheidung, die wir bewusst, also in Kenntnis der Konsequenzen und unserer Gefühlslage getroffen haben, wird eine sein, die wir, auch wenn es mal knirscht (und das wird es) leichter tragen und gelassener umsetzen, als eine, zu der wir uns genötigt gefühlt haben.

Arbeit in der Elternzeit: Realistisch planen

„Man kann nicht alles haben“, diese schöne und leider wahre Binsenweisheit gilt in der Teilzeit-Elternzeit doppelt und dreifach: Der Tag wird weiterhin nur 24 Stunden haben und „100% Familie plus 100% Arbeit“ wird einfach nicht funktionieren. Gerade für Menschen, die es gewohnt sind, bei der Arbeit nicht auf die Uhr zu sehen, ist jede Form von Teilzeit eine echte Herausforderung, denn man kann eben nicht zur Not einen 13+ Stunden-Tag einlegen. Unsere erste Aufgabe und große Chance in der Elternzeit ist es, uns um ein Kind kümmern zu können und seine meist ersten Monate auf der Welt begleiten zu dürfen. Das ist „Job one“, wie die Amerikaner sagen. Es gilt also, ganz realistisch und extrem konservativ zu überlegen, was wir daneben an Arbeitszeit einrichten können und – noch wichtiger – was wir überhaupt an der Arbeit realistisch leisten können. Hier gilt es, gerade für beruflich ehrgeizige Menschen, kühles Erwartungsmanagement zu betreiben, mit der Maßgabe: lieber positiv überrascht, als ständig frustriert. Je nachdem, wie die Elternzeit in der Partnerschaft geplant ist, macht es Sinn, zu Beginn erst einmal nur diejenigen Stunden fix für die Arbeit einzuplanen, die der Partner bzw. die Partnerin sich um das Kind kümmert. Denn: Mag sein, dass unser Kind zwei Wochen nach Beginn der Elternzeit zuverlässig und täglich 2 Stunden Mittagsschlaf hält und wir an den Schreibtisch können, aber planen sollten wir damit nicht und schon gar nicht von Tag 1. Beide, Kind und Elternteil, werden Zeit brauchen, sich an die neue Situation zu gewöhnen, insbesondere dann, wenn zuvor der andere Partner zu Hause war.

Arbeit in der Elternzeit: Offen kommunizieren

Sowohl in der Partnerschaft als auch im Verhältnis zum Arbeitgeber ist die Elternzeit auch ein Aushandlungsprozess, gerade wenn Teilzeit-Arbeit hinzukommt. Und wenn die Verhandlungen erst einmal abgeschlossen sind, gelten hier wie dort die gemachten Zusagen. Wir haben oben bereits dafür plädiert, bewusst an die Sache heranzugehen. Komplementär dazu sollten wir das, was wir wollen und das, was wir nicht wollen, von Beginn des Entscheidungsprozesses an offen kommunizieren, zu Hause wie an der Arbeit. Es wird aufregend genug, was wir nicht brauchen, sind „Du hast aber doch gesagt, dass Du …“-Streit und böses Blut im Büro.

Nächste Woche: Wir haben uns entschieden, die Herausforderung Eltern-Teilzeit anzugehen und bald geht es los. Einige Grundüberlegungen als „Last-Minute-Checkliste“.

Dr. Andreas Kellner

Andreas Kellner ist Vater zweier Töchter, promovierter Politikwissenschaftler und Geschäftsführer dreier Firmen. Selbstorganisation war für ihn lange reine Notwehr, heute gibt er Seminare zum Thema.

Extremfall für Selbstorganisation: Arbeit in der Elternzeit

Arbeit in der Elternzeit: Extremfall für die Selbstorganisation
Arbeit in der Elternzeit: Extremfall für die Selbstorganisation

Mein Fazit nach dem ersten Mal Elternzeit mit Teilzeit-Arbeit lautete vor einigen Jahren: Das mache ich nie wieder. Mein Fazit nach dem zweiten Mal (Teilzeit-) Arbeit in Elternzeit, einige Jahre später: Besser, aber noch lange nicht gut.

Teilzeit-Elternzeit: Normalität und Extremfall

Auf ein Minimum an Selbstorganisation können die wenigsten von uns verzichten. Wenn wir zu den berufstätigen Eltern zählen, können wir es gar nicht. Und der nochmalige Extremfall ist das Vorhaben, in der Elternzeit weiter in Teilzeit einer Arbeit nachzugehen. Und dabei meine ich gar nicht nur die institutionalisierten Elternzeit-Monate, sondern im Prinzip jede Zeitspanne, in denen wir unsere Kinder entweder nicht den ganzen Tag betreuen lassen wollen, oder die Möglichkeit dazu schlicht nicht besteht.

Warum überhaupt Arbeiten in der Elternzeit?

Man kann gute Gründe finden, Teilzeit-Elternzeit erst gar nicht in Betracht zu ziehen. Denn für die Mehrheit von uns, die nicht mit unendlicher Gelassenheit  oder natürlichem Organisationsgenie gesegnet sind, ist das kein Zuckerschlecken. Warum also überhaupt in der Elternzeit arbeiten wollen? Nun ja, im Prinzip sind die möglichen Gründe die gleichen, die uns auch dazu bringen, nicht einfach nach der Geburt der Kinder überhaupt den Job für mindestens einige Jahre sein zu lassen. Ja, ich weiß, dass das vielerorts noch die Regel ist, gerade für die Mütter. Aber erstens muss das jede und jeder selbst entscheiden und zweitens sind doch die meisten unter uns froh, dass die Zeiten, in denen wir gegen den Zwang von gesellschaftlichen Rollenvorstellungen überhaupt nichts tun konnten (machen wir uns nichts vor: es ist immer noch schwierig genug) vorbei sind.

Also zurück zur Sache: Arbeit in der Elternzeit kann wirtschaftlich notwendig sein, zum Beispiel für die Selbständigen unter uns. Es kann aber auch einfach so sein, dass wir – Stichwort berufstätige Eltern im Allgemeinen´- gar nicht das eine lassen wollen, um das andere tun zu können. Das kann man jetzt als überzogenes Anspruchsdenken der Generation „Y“, oder wo im Alphabet wir da gerade sind, ablehnen, aber diese Diskussion ist uns dann doch zu platt, um sie hier zu befeuern. Wir wollen an dieser Stelle praktische Lösungen diskutieren und nicht pseudo-Gesellschaftskritik betreiben.

Elternzeit als (emotionale) Herausforderung

Fakt ist: Für Menschen, denen ihre Kinder UND ihre Arbeit wichtig sind, ist jeder Versuch diese beiden Pole zu verbinden, eine Herausforderung und die Engführung, die das Arbeiten in der Elternzeit darstellt, umso mehr. Herausgefordert sind wir, was unsere Kräfte angeht, aber auch und vor allem emotional. Denn wenn uns zwei Dinge wichtig sind, wollen wir beiden gerecht werden, am liebsten zu 100%. Garniert mit ein wenig (oder viel) Perfektionismus und entsprechend hohen Erwartungen an uns selbst und die Fallhöhe, die die Herausforderung Teilzeit-Elternzeit für uns bereithalten kann, erreicht schnell Sprungturm-Höhe.

Zu Beginn hatte ich von meinen beiden Fazits gesprochen und ja, die zweite Eltern-Teilzeit-Erfahrung war besser als die erste, aber immer noch ein Brocken. Was also lief beim zweiten Mal besser und was nicht? Kurz gesagt: Ich habe einige sinnvolle Grundregeln gelernt und beherzigt, andere Dinge waren entweder schwerer zu lernen oder umzusetzen. Beginnen wir mit den Grundregeln; gleich nächste Woche an dieser Stelle.

Dr. Andreas Kellner

Andreas Kellner ist Vater zweier Töchter, promovierter Politikwissenschaftler und Geschäftsführer dreier Firmen. Selbstorganisation war für ihn lange reine Notwehr, heute gibt er Seminare zum Thema.