Multitasking macht süchtig, funktioniert aber nicht

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Multitasking macht süchtig
Multitasking macht süchtig

 

 

Lassen Sie mich eines gleich klarstellen: Multitasking ist weder sinnvoll, noch nötig, noch gesund, denn Multitasking funktioniert nicht. Wenn Sie das Gegenteil glauben, bleiben Sie bei mir, ich werde es Ihnen gleich beweisen. Nehmen wir für einen Moment an, wir wären uns darin einig, dass Multitasking, also das parallele Arbeiten an mehr als einer Aufgabe mit voneinander unabhängigen Zielen zur selben Zeit,  nicht funktioniert.  Warum lassen wir uns dann trotzdem darauf ein?

Multitasking macht süchtig

Ok, ich gebe es zu, Begriffe wie „Achtsamkeit“ gehen mir schwer über die Lippen und nicht umsonst gehen wir bei AGILEMENT  nicht von solchen „Meta-Ebenen“, sondern vom ganz konkreten Problem aus und versuchen es ebenso konkret zu lösen. (Disclaimer Ende ;-)) Wenn sich also jemand als „Achtsamkeits-Experte“ bezeichnet, oder so bezeichnet wird, wie der dänische Coach Rasmus Hougaard, dann bin ich erst einmal skeptisch. Aber Hougaard sagt Dinge wie „Multitasking macht süchtig“ und fährt fort „Immer wenn Du zwischen den Aufgaben wechselst, wird in Deinem Gehirn Dopamin ausgeschüttet. Du denkst, dass Du effektiv bist, erreichst aber das Gegenteil…“.

Multitasking gibt es nicht

Da hat er Recht, der Mann, und zwar gleich mehrfach:

1. Multitasking gibt es auf neuronaler Ebene eigentlich gar nicht, zumindest nicht, wenn das Gehirn Entscheidungen treffen soll und die „tasks“, die wir  gleichzeitig zu bearbeiten versuchen, voneinander unabhängige Ziele haben. „Mich der einen Sache zuzuwenden heißt, die andere zu unterbrechen.“, fasst Dr. Torsten Schubert, Professor für Psychologie an der Berliner Humboldt-Uni den Forschungsstand zusammen.

2. Das Hin-und Herwechseln zwischen zwei Aufgaben macht etwas mit uns: Es gaukelt uns eine Effizienz vor, die wir gar nicht haben, eben genau so, wie andere Suchtmittel, wie Alkohol, Betäubungsmittel etc. uns etwas vortäuschen, was nicht der Realität entspricht. Da es uns aber gefällt, was wir da vorgespielt bekommen,  wollen wir dieses „Erlebnis“ wiederhaben und auf neurochemischer Ebene gewöhnen wir uns an die entsprechenden Hormonausschüttungen. Das ist der Grund, warum wir so schwer vom angeblichen Multitasking loskommen, denn diesen „falschen Belohnungseffekt“ hat die eine Aufgabe, an der wir konzentriert und ungestört arbeiten, für uns nicht in petto. Hier bekommen wir die Belohnung erst am Ende der erfolgreich gelösten Aufgabe. Und wir alle wissen seit Kindertagen, dass das Warten auf das, was unser Bedürfnis befriedigt, das Schlimmste überhaupt ist ;-). (Vgl. meine „Hymne“: I want it all, and I want it now von QUEEN)

Multitasking funktioniert nicht

Zu Beginn des Textes hatte ich einen Beweis dafür angekündigt, dass Multitasking nicht funktioniert. Im Gegenteil: Sie sind nicht nur schneller, wenn Sie zwei Aufgaben konzentriert nacheinander erledigen, die Qualität Ihrer Arbeit ist auch besser. Dieser Beweis stammt nicht von mir, ich setze ihn aber sehr gern im Seminar ein. Also:

  1. Test auf https://www.foerderland.de/organisieren/news/artikel/multitasking-teste-dich-selbst/ machen (und zwar ehrlich, bitte!)
  2. Kurz darüber nachdenken, was das für Aufgaben bedeutet, die nicht so trivial sind, wie die, die Sie gerade gelöst haben.
  3. Meine Zeiten: 50 Sekunden / 23 Sekunden, und Ihre?

Dr. Andreas Kellner

Andreas Kellner ist Vater zweier Töchter, promovierter Politikwissenschaftler und Geschäftsführer dreier Firmen. Selbstorganisation war für ihn lange reine Notwehr, heute gibt er Seminare zum Thema.

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