Extremfall für Selbstorganisation: Arbeit in der Elternzeit

Arbeit in der Elternzeit: Extremfall für die Selbstorganisation
Arbeit in der Elternzeit: Extremfall für die Selbstorganisation

Mein Fazit nach dem ersten Mal Elternzeit mit Teilzeit-Arbeit lautete vor einigen Jahren: Das mache ich nie wieder. Mein Fazit nach dem zweiten Mal (Teilzeit-) Arbeit in Elternzeit, einige Jahre später: Besser, aber noch lange nicht gut.

Teilzeit-Elternzeit: Normalität und Extremfall

Auf ein Minimum an Selbstorganisation können die wenigsten von uns verzichten. Wenn wir zu den berufstätigen Eltern zählen, können wir es gar nicht. Und der nochmalige Extremfall ist das Vorhaben, in der Elternzeit weiter in Teilzeit einer Arbeit nachzugehen. Und dabei meine ich gar nicht nur die institutionalisierten Elternzeit-Monate, sondern im Prinzip jede Zeitspanne, in denen wir unsere Kinder entweder nicht den ganzen Tag betreuen lassen wollen, oder die Möglichkeit dazu schlicht nicht besteht.

Warum überhaupt Arbeiten in der Elternzeit?

Man kann gute Gründe finden, Teilzeit-Elternzeit erst gar nicht in Betracht zu ziehen. Denn für die Mehrheit von uns, die nicht mit unendlicher Gelassenheit  oder natürlichem Organisationsgenie gesegnet sind, ist das kein Zuckerschlecken. Warum also überhaupt in der Elternzeit arbeiten wollen? Nun ja, im Prinzip sind die möglichen Gründe die gleichen, die uns auch dazu bringen, nicht einfach nach der Geburt der Kinder überhaupt den Job für mindestens einige Jahre sein zu lassen. Ja, ich weiß, dass das vielerorts noch die Regel ist, gerade für die Mütter. Aber erstens muss das jede und jeder selbst entscheiden und zweitens sind doch die meisten unter uns froh, dass die Zeiten, in denen wir gegen den Zwang von gesellschaftlichen Rollenvorstellungen überhaupt nichts tun konnten (machen wir uns nichts vor: es ist immer noch schwierig genug) vorbei sind.

Also zurück zur Sache: Arbeit in der Elternzeit kann wirtschaftlich notwendig sein, zum Beispiel für die Selbständigen unter uns. Es kann aber auch einfach so sein, dass wir – Stichwort berufstätige Eltern im Allgemeinen´- gar nicht das eine lassen wollen, um das andere tun zu können. Das kann man jetzt als überzogenes Anspruchsdenken der Generation „Y“, oder wo im Alphabet wir da gerade sind, ablehnen, aber diese Diskussion ist uns dann doch zu platt, um sie hier zu befeuern. Wir wollen an dieser Stelle praktische Lösungen diskutieren und nicht pseudo-Gesellschaftskritik betreiben.

Elternzeit als (emotionale) Herausforderung

Fakt ist: Für Menschen, denen ihre Kinder UND ihre Arbeit wichtig sind, ist jeder Versuch diese beiden Pole zu verbinden, eine Herausforderung und die Engführung, die das Arbeiten in der Elternzeit darstellt, umso mehr. Herausgefordert sind wir, was unsere Kräfte angeht, aber auch und vor allem emotional. Denn wenn uns zwei Dinge wichtig sind, wollen wir beiden gerecht werden, am liebsten zu 100%. Garniert mit ein wenig (oder viel) Perfektionismus und entsprechend hohen Erwartungen an uns selbst und die Fallhöhe, die die Herausforderung Teilzeit-Elternzeit für uns bereithalten kann, erreicht schnell Sprungturm-Höhe.

Zu Beginn hatte ich von meinen beiden Fazits gesprochen und ja, die zweite Eltern-Teilzeit-Erfahrung war besser als die erste, aber immer noch ein Brocken. Was also lief beim zweiten Mal besser und was nicht? Kurz gesagt: Ich habe einige sinnvolle Grundregeln gelernt und beherzigt, andere Dinge waren entweder schwerer zu lernen oder umzusetzen. Beginnen wir mit den Grundregeln; gleich nächste Woche an dieser Stelle.

Dr. Andreas Kellner

Andreas Kellner ist Vater zweier Töchter, promovierter Politikwissenschaftler und Geschäftsführer dreier Firmen. Selbstorganisation war für ihn lange reine Notwehr, heute gibt er Seminare zum Thema.

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