New Work: Was heißt das?

New Work: Holzhütten im Großraumbüro?
New Work: Holzhütten im Großraumbüro?

Work-Life-Balance, Agilität und jetzt „New Work“: Ist der neue „Megatrend“ (ich dachte, wir sind mittlerweile eigentlich bei „Tera…“ ;-)) New Work eine leere Hülse und wenn nein, was steckt drin?

New Work in der Blockhütte

Das Foto mit der Blockhütte, die etwas mit ihrer doch recht industriell anmutenden Umgebung zu fremdeln scheint, stammt von Einem AGILEMENT-Workshop bei „Bosch Cognitive Services“, einer neugegründeten Arbeitseinheit bei Bosch, die sich mit innovativer praktischen Anwendung von Künstlicher Intelligenz befasst. Für die im Büro tätigen Mitarbeiter bei Bosch ist es – ähnliches war kürzlich auch über Microsoft Deutschland zu lesen – mittlerweile normal, keinen festen Arbeitsplatz zu haben, sondern einfach morgens einen freien Platz zu besetzen, den Laptop aufzumachen und zu arbeiten. Im Silicon Valley und im Coworking Space fast schon ein alter Hut, sind solche als Teil von „New Work“ apostrophierten Arbeitsorganisations-Umstellungen in „Corporate Germany“ durchaus noch als revolutionär zu betrachten.

New Work = Agilität + Individualität + Blockhütte?

Individualität, Agilität, flachere Hierarchien und offene Bürokonzepte (die Blockhütte im Bild dient als ad-hoc-Meetingraum für das ansonsten im Großraumbüro verstreut arbeitende Team), so scheint die Realität von „New Work“ auszusehen. Liest man beim Begriffsbegründer von „New Work“, dem US-Österreicher Frithjof Bergmann nach, ist das erste, was auffällt, dass der Begriff von der neuen Arbeit selbst bereits über 30 Jahr alt ist. Bergmann ging (und geht) es dabei um nichts weniger als um eine Neubestimmung des gesamten, individuellen wie gesellschaftlichen Verständnisses zur Arbeit. Dabei erwächst die Notwendigkeit dieser Neubestimmung aus der Überzeugung, dass wir vor dem Ende der Industriegesellschaft stehen. In den 1980er Jahren diagnostizierte Bergmann dieses noch am Beispiel des Niedergangs der klassischen Automobilindustrie in den USA, heute sieht er – wie so viele – die Digitalisierung als entscheidende Treibfeder.

New Work = Ende der Erwerbsarbeit?

Was soll man nun von einem Begriff halten, wenn derjenige, der ihn geprägt hat, vom Ende der Erwerbsarbeit in den entwickelten Industrienationen spricht? Und was hat das mit der Blockhütte bei Bosch zu tun? Vielleicht sind wir einfach gesellschaftliche Großdiagnosen und entsprechende sozialutopische Lösungsansätze, die Bergmann auch liefert, nicht mehr gewöhnt. Jedenfalls geht der erste Reflex doch – zumindest bei mir – durchaus in die Richtung „Nur weil es jetzt bald selbstfahrende Autos gibt, heißt das doch nicht, das bald niemand mehr arbeitet, um Geld zu verdienen.“ Nun, so blauäugig sind Bergmann und seine Adepten nicht (vgl. z.B. ein recht aktuelles  Interview mit ihm und Markus Väth).

Die Großen und die Kleinen

Aber für den Moment sieht es doch so aus, als wären die ganz konkreten Folgen von „New Work“ für die Mitarbeiter in Unternehmen, die sich dieses Schlagwort auf die Fahne schreiben, ein Zuwachs an Eigenverantwortung, Flexibilität und Mitentscheidungsmöglichkeiten. Das muss man sicher nicht misstrauischer beäugen als nötig, zumal die derzeitigen und künftigen Berufseinsteiger zumindest hierzulande – so sie gut ausgebildet sind – über einen recht langen Hebel verfügen. Eines ist aber auch klar: Wenn ich im Arbeitsalltag mehr eigene Entscheidungen treffen darf, mir meine Zeit selbst einteilen soll und schnelle Ergebnisse statt langer Prozesse gefragt sind, ist das nicht nur Chance, sondern auch Herausforderung. Eine solide Selbstorganisation erscheint nötiger denn je. Während wir auf das Ende der Arbeit wie wir sie kennen warten, passiert nämlich hauptsächlich eines: Die Großen lernen von den Kleinen (wieder), warum Agilität und Flexibilität in einer hochdynamischen Umgebung einfach wichtige Erfolgsmerkmale sind. Mag sein, dass New Work einmal für mehr stehen wird, im Moment ist das Faktum Erwerbsarbeit sicher nur für eine winzige Gruppe von Menschen am Verschwinden.

Dr. Andreas KellnerAndreas Kellner ist Vater zweier Töchter, promovierter Politikwissenschaftler und Geschäftsführer dreier Firmen. Selbstorganisation war für ihn lange reine Notwehr, heute gibt er Seminare zum Thema.

Arbeit im Urlaub: Die E-Mail-Entscheidung

Arbeit im Urlaub - Was tun mit E-Mails?
Arbeit im Urlaub – Was tun mit E-Mails?

Über Ostern war es wieder soweit: Die Entscheidung „Wie viel Arbeit im Urlaub?“ stand an. Dass Arbeiten ein Teil des Urlaubs ist, ist für viele von uns, besonders wenn wie in verantwortlichen Positionen tätig sind, normal. Aber auch viele, die im Urlaub tatsächlich Arbeit Arbeit sein lassen können, kommen an einer Entscheidung nicht vorbei: Was tun mit E-Mails?

Arbeit im Urlaub: Die E-Mail-Entscheidung

Klar, es gibt Abwesenheitsnotizen – mehr oder weniger drohend formuliert – und allerlei weitere technische Kniffe. Aber grundsätzlich kommen E-Mails auch im Urlaub und daher bleibt die Entscheidung nötig: Schaue ich regelmäßig in die E-Mails und mache im besten Fall den Posteingang leer (meine Empfehlung dazu (5 Minuten-Video): https://www.youtube.com/watch?v=hFIykEsMg1Q)? Oder lassen wir den Mail-Berg während des Urlaubs auflaufen und nehmen uns nach der Rückkehr die Zeit zum Abtragen?

E-Mails im Urlaub: Liegen lassen oder nicht?

Für diejenigen unter uns, die – gefühlt oder tatsächlich (ein anderes Thema!) – nicht auf den Arbeits-Informationsfluss im Urlaub verzichten können, liegt der Fall klar: Regelmäßig in die Mails schauen, aber bitte bewusst, zeitlich klar begrenzt (z.B. max. 1 h pro Tag) und mit System (siehe Video oben). Für alle anderen ist die Entscheidung schlicht eine des kleineren Übels: Was ist mir lieber: Regelmäßig den Urlaub kurz unterbrechen, dafür mit (fast) leerem Posteingang zurück an die Arbeit? Oder den ersten Arbeitstag im schlimmsten Fall komplett im Posteingang, dafür Ruhe im Urlaub?

Egal wie Sie entscheiden; wichtig ist: Entscheidung bewusst treffen und dabei bleiben!

Dr. Andreas KellnerAndreas Kellner ist Vater zweier Töchter, promovierter Politikwissenschaftler und Geschäftsführer dreier Firmen. Selbstorganisation war für ihn lange reine Notwehr, heute gibt er Seminare zum Thema.

Arbeit in der Elternzeit: Grundregeln & Tipps (2)

Arbeit in der Elternzeit: Grundregeln & Tipps (2)
Arbeit in der Elternzeit: Grundregeln & Tipps (2)

Letzte Woche haben wir versucht, die Entscheidung „Arbeit in der Elternzeit – wollen wir das?“ mit einigen Grundüberlegungen zu erleichtern. Heute sind wir einen Schritt weiter: Wir haben uns entschieden, die Herausforderung Eltern-Teilzeit anzugehen und bald geht es los. Einige Grundregeln, die uns helfen werden, die neue Situation für unseren Nachwuchs und uns selbst zu einer schönen Zeit zu machen.

Im Zweifel geht das Kind vor, was sonst?

Es mag eine Selbstverständlichkeit sein, aber es kann helfen, wenn wir sie uns in ihrer Tragweite verdeutlichen: Wir haben uns entschieden, ein Kind zu haben und sind nun für sie oder ihn verantwortlich. Besonders in den ersten Monaten seines Lebens kann unser Kind ohne uns nicht existieren; das ist eine große Verantwortung. Sie verpflichtet uns nicht zum Perfektionismus (und Gott weiß, es fällt schwer, gerade hier nicht diesen absoluten Maßstab an uns selbst zu halten, aber es bedeutet, dass im Zweifel die Bedürfnisse des Kindes vorgehen. Vor das, was die Arbeit von uns fordert und – auch wenn das unpopulär ist und nicht aus der Balance geraten darf, denn wir sind ebenfalls wichtig! – oft auch vor unseren eigenen Bedürfnissen. Ein Kind lässt sich nicht durchplanen wie ein Meeting mit Untergebenen. Und unsere Teilzeit-Elternzeit wird voller Situationen sein, in denen der Plan nicht aufgeht, weil unser Kind eben gerade nicht „mitspielt“. Deshalb: Im Zweifel geht das Kind vor, was auch sonst? Und ich verspreche: jedes einzelne Mal, wenn wir es geschafft haben, in einer Situation, in der Elternzeit und Teilzeit-Arbeit kollidieren, halbwegs entspannt geblieben sind, uns um das Kind gekümmert haben und die Arbeit eben kurz warten musste, werden wir im Nachhinein feststellen, dass sich die Erde trotzdem weitergedreht hat.

Nur das kontrollieren wollen, was wir kontrollieren können und sollten

Wenn ich überlege, was mir als Vater am schwersten fällt, ist es wohl die Tatsache, dass ich eben nicht alles kontrollieren kann, was meine Kinder betrifft. Genauso wenig wie ich die Freunde meiner Kinder aussuche, kann ich bestimmen, dass der Mittagsschlaf immer genau gleich lang dauert. Und ich kann zwar versuchen, die Wohnung auch in der Brei-Fütter-Phase immer auf Hochglanz zu halten, aber auch hier gilt: der Tag hat nur 24 Stunden und ich muss mir überlegen, ob es sich wirklich lohnt, die Hälfte der Zeit mit dem Putzlappen in der Hand herumzurasen. Elternschaft und eben auch Elternzeit bedeutet auch: Kontrolle abgeben, mal Dinge gut sein lassen. Das heißt nicht, Chaos zum gültigen Grundprinzip zu erklären! Eine vernünftige, regelmäßige Tagesstruktur ist zum Beispiel mit das wertvollste, was wir für das Zufriedensein unserer Kinder tun können, darin sind sich alle ernst zu nehmenden Experten (siehe unten) einig. Aber es geht nicht darum, aus unseren Kindern kleine Soldaten zu machen. Wenn jede Minute des Tages verplant ist, wie wollen wir unsere Kinder kennenlernen und sie uns? Also im Zweifel weniger vornehmen und nur das kontrollieren, was wir kontrollieren können. Denn wir können fast nichts von dem, was auf uns zukommt, wirklich kontrollieren, aber wir können kontrollieren, wie wir damit umgehen. Und je gelassener wir das tun, desto besser.

Getrennte Arbeitszeiten

Ja, ich habe mal im Prenzlauer Berg gelebt und ja, ich habe auch ab und zu zu den Vätern gehört, die E-Mails beantwortet haben, während mein Kind daneben im Sandkasten gespielt hat. Ich sage auch nicht, dass das immer falsch ist, aber mich hat dieses „Multitasking“ auf Dauer nur gestresst und das hat meine Tochter genau gemerkt. Ja, ich muss die zugesagte Arbeitszeit in der Elternzeit irgendwo unterbringen aber erstens nur im zugesagten Umfang und zweitens nicht zwingend dann, wenn mein Kind wach ist und meine Aufmerksamkeit möchte. Lässt sich das immer perfekt organisieren? Nein. Lässt sich das in der Regel vernünftig organisieren, wenn sich erst einmal ein vernünftiger Tagesrhythmus eingespielt hat. Ja. Es gibt Abende, Mittagsschlafzeiten, Wochenenden und im Zweifel, wir hatten es bereits gesagt, dreht sich die Welt weiter, wenn die Arbeit mal warten muss. Wirklich.

Vorsicht bei den Ratgebern!

Super-Nannies gibt es nicht nur im Fernsehen. Es gibt sie überall, die Väter und Mütter, die alles perfekt machen und deren Sendungsbewusstsein so groß ist, wie das eines evangelikalen Missionars. Und die Bücher über kindliche Entwicklung und Erziehung füllen ganze Buchläden. Ich weiß, das mag radikal klingen, aber ich habe für mich festgestellt, dass ich eigentlich nur aus 4 Quellen wirklich gute Ratschläge für mein Vater-Sein gezogen habe:

  1. Von meiner Frau (da habe ich einfach Glück gehabt)
  2. Aus meinem Bauch (es hat etwas gedauert, bis ich gelernt hatte, auf den zu hören)
  3. Aus „Babyjahre“ des Schweizer Kinderarztes Remo Largo (wenn Sie nur ein Buch über Entwicklung und Erziehung kaufen, dann bitte dieses)
  4. Aus diversen Artikeln und Interviews des dänischen Familientherapeuten Jesper Juul (der Mann ist völlig zurecht so berühmt, wie er ist)

In Kürze an dieser Stelle: Grundregeln, Gelassenheit und bewusstes Entscheiden, alles richtig. Aber was können wir praktisch tun, um Teilzeit-Arbeit und Elternzeit halbwegs unter einen Hut zu bringen? Warnung: An einem Minimum an Selbstorganisation führt kein Weg vorbei.

Dr. Andreas Kellner

Andreas Kellner ist Vater zweier Töchter, promovierter Politikwissenschaftler und Geschäftsführer dreier Firmen. Selbstorganisation war für ihn lange reine Notwehr, heute gibt er Seminare zum Thema.

Arbeit in der Elternzeit: Grundregeln & Tipps (1)

Arbeit in der Elternzeit: Grundregeln und Tipps
Arbeit in der Elternzeit: Grundregeln und Tipps

Arbeiten in der Elternzeit ist so etwas wie die extremste Form der Herausforderung, Elternschaft und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Besonders schwierig kann das für diejenigen von uns sein, denen eben beides, die Familie und die Arbeit, wichtig sind. Einige grundsätzliche Überlegungen sind sinnvoll, damit der Spagat (der es immer ist) nicht zur Zerreißprobe wird.

Arbeit in der Elternzeit: Bewusst entscheiden

Sicher, für viele von uns ist die Frage, ob wir in der Elternzeit arbeiten wollen, gar keine ganz offene. Gerade in der Selbständigkeit ist des komplette Aussetzen für mehrere Monate oder länger nichts, was einem oder einer leicht fallen wird. Dennoch: Genauso bewusst, wie wir uns für unsere Kinder und unseren Beruf entschieden haben (hoffentlich), sollten wir uns auch für die Elternzeit mit Teilzeit-Arbeit entscheiden. Die Fragen „Will ich das?“ und „Warum mache ich das?“ gehören genauso zur Vorbereitung, wie die Informationsbeschaffung zum „technischen Ablauf“ (Rechte, Pflichten gegenüber dem Arbeitgeber, Elterngeld etc.), zum Beispiel auf den Seiten des zuständigen Bundesministeriums. Denn eine Entscheidung, die wir bewusst, also in Kenntnis der Konsequenzen und unserer Gefühlslage getroffen haben, wird eine sein, die wir, auch wenn es mal knirscht (und das wird es) leichter tragen und gelassener umsetzen, als eine, zu der wir uns genötigt gefühlt haben.

Arbeit in der Elternzeit: Realistisch planen

„Man kann nicht alles haben“, diese schöne und leider wahre Binsenweisheit gilt in der Teilzeit-Elternzeit doppelt und dreifach: Der Tag wird weiterhin nur 24 Stunden haben und „100% Familie plus 100% Arbeit“ wird einfach nicht funktionieren. Gerade für Menschen, die es gewohnt sind, bei der Arbeit nicht auf die Uhr zu sehen, ist jede Form von Teilzeit eine echte Herausforderung, denn man kann eben nicht zur Not einen 13+ Stunden-Tag einlegen. Unsere erste Aufgabe und große Chance in der Elternzeit ist es, uns um ein Kind kümmern zu können und seine meist ersten Monate auf der Welt begleiten zu dürfen. Das ist „Job one“, wie die Amerikaner sagen. Es gilt also, ganz realistisch und extrem konservativ zu überlegen, was wir daneben an Arbeitszeit einrichten können und – noch wichtiger – was wir überhaupt an der Arbeit realistisch leisten können. Hier gilt es, gerade für beruflich ehrgeizige Menschen, kühles Erwartungsmanagement zu betreiben, mit der Maßgabe: lieber positiv überrascht, als ständig frustriert. Je nachdem, wie die Elternzeit in der Partnerschaft geplant ist, macht es Sinn, zu Beginn erst einmal nur diejenigen Stunden fix für die Arbeit einzuplanen, die der Partner bzw. die Partnerin sich um das Kind kümmert. Denn: Mag sein, dass unser Kind zwei Wochen nach Beginn der Elternzeit zuverlässig und täglich 2 Stunden Mittagsschlaf hält und wir an den Schreibtisch können, aber planen sollten wir damit nicht und schon gar nicht von Tag 1. Beide, Kind und Elternteil, werden Zeit brauchen, sich an die neue Situation zu gewöhnen, insbesondere dann, wenn zuvor der andere Partner zu Hause war.

Arbeit in der Elternzeit: Offen kommunizieren

Sowohl in der Partnerschaft als auch im Verhältnis zum Arbeitgeber ist die Elternzeit auch ein Aushandlungsprozess, gerade wenn Teilzeit-Arbeit hinzukommt. Und wenn die Verhandlungen erst einmal abgeschlossen sind, gelten hier wie dort die gemachten Zusagen. Wir haben oben bereits dafür plädiert, bewusst an die Sache heranzugehen. Komplementär dazu sollten wir das, was wir wollen und das, was wir nicht wollen, von Beginn des Entscheidungsprozesses an offen kommunizieren, zu Hause wie an der Arbeit. Es wird aufregend genug, was wir nicht brauchen, sind „Du hast aber doch gesagt, dass Du …“-Streit und böses Blut im Büro.

Nächste Woche: Wir haben uns entschieden, die Herausforderung Eltern-Teilzeit anzugehen und bald geht es los. Einige Grundüberlegungen als „Last-Minute-Checkliste“.

Dr. Andreas Kellner

Andreas Kellner ist Vater zweier Töchter, promovierter Politikwissenschaftler und Geschäftsführer dreier Firmen. Selbstorganisation war für ihn lange reine Notwehr, heute gibt er Seminare zum Thema.

Extremfall für Selbstorganisation: Arbeit in der Elternzeit

Arbeit in der Elternzeit: Extremfall für die Selbstorganisation
Arbeit in der Elternzeit: Extremfall für die Selbstorganisation

Mein Fazit nach dem ersten Mal Elternzeit mit Teilzeit-Arbeit lautete vor einigen Jahren: Das mache ich nie wieder. Mein Fazit nach dem zweiten Mal (Teilzeit-) Arbeit in Elternzeit, einige Jahre später: Besser, aber noch lange nicht gut.

Teilzeit-Elternzeit: Normalität und Extremfall

Auf ein Minimum an Selbstorganisation können die wenigsten von uns verzichten. Wenn wir zu den berufstätigen Eltern zählen, können wir es gar nicht. Und der nochmalige Extremfall ist das Vorhaben, in der Elternzeit weiter in Teilzeit einer Arbeit nachzugehen. Und dabei meine ich gar nicht nur die institutionalisierten Elternzeit-Monate, sondern im Prinzip jede Zeitspanne, in denen wir unsere Kinder entweder nicht den ganzen Tag betreuen lassen wollen, oder die Möglichkeit dazu schlicht nicht besteht.

Warum überhaupt Arbeiten in der Elternzeit?

Man kann gute Gründe finden, Teilzeit-Elternzeit erst gar nicht in Betracht zu ziehen. Denn für die Mehrheit von uns, die nicht mit unendlicher Gelassenheit  oder natürlichem Organisationsgenie gesegnet sind, ist das kein Zuckerschlecken. Warum also überhaupt in der Elternzeit arbeiten wollen? Nun ja, im Prinzip sind die möglichen Gründe die gleichen, die uns auch dazu bringen, nicht einfach nach der Geburt der Kinder überhaupt den Job für mindestens einige Jahre sein zu lassen. Ja, ich weiß, dass das vielerorts noch die Regel ist, gerade für die Mütter. Aber erstens muss das jede und jeder selbst entscheiden und zweitens sind doch die meisten unter uns froh, dass die Zeiten, in denen wir gegen den Zwang von gesellschaftlichen Rollenvorstellungen überhaupt nichts tun konnten (machen wir uns nichts vor: es ist immer noch schwierig genug) vorbei sind.

Also zurück zur Sache: Arbeit in der Elternzeit kann wirtschaftlich notwendig sein, zum Beispiel für die Selbständigen unter uns. Es kann aber auch einfach so sein, dass wir – Stichwort berufstätige Eltern im Allgemeinen´- gar nicht das eine lassen wollen, um das andere tun zu können. Das kann man jetzt als überzogenes Anspruchsdenken der Generation „Y“, oder wo im Alphabet wir da gerade sind, ablehnen, aber diese Diskussion ist uns dann doch zu platt, um sie hier zu befeuern. Wir wollen an dieser Stelle praktische Lösungen diskutieren und nicht pseudo-Gesellschaftskritik betreiben.

Elternzeit als (emotionale) Herausforderung

Fakt ist: Für Menschen, denen ihre Kinder UND ihre Arbeit wichtig sind, ist jeder Versuch diese beiden Pole zu verbinden, eine Herausforderung und die Engführung, die das Arbeiten in der Elternzeit darstellt, umso mehr. Herausgefordert sind wir, was unsere Kräfte angeht, aber auch und vor allem emotional. Denn wenn uns zwei Dinge wichtig sind, wollen wir beiden gerecht werden, am liebsten zu 100%. Garniert mit ein wenig (oder viel) Perfektionismus und entsprechend hohen Erwartungen an uns selbst und die Fallhöhe, die die Herausforderung Teilzeit-Elternzeit für uns bereithalten kann, erreicht schnell Sprungturm-Höhe.

Zu Beginn hatte ich von meinen beiden Fazits gesprochen und ja, die zweite Eltern-Teilzeit-Erfahrung war besser als die erste, aber immer noch ein Brocken. Was also lief beim zweiten Mal besser und was nicht? Kurz gesagt: Ich habe einige sinnvolle Grundregeln gelernt und beherzigt, andere Dinge waren entweder schwerer zu lernen oder umzusetzen. Beginnen wir mit den Grundregeln; gleich nächste Woche an dieser Stelle.

Dr. Andreas Kellner

Andreas Kellner ist Vater zweier Töchter, promovierter Politikwissenschaftler und Geschäftsführer dreier Firmen. Selbstorganisation war für ihn lange reine Notwehr, heute gibt er Seminare zum Thema.

Multitasking macht süchtig, funktioniert aber nicht

Multitasking macht süchtig
Multitasking macht süchtig

Lassen Sie mich eines gleich klarstellen: Multitasking ist weder sinnvoll, noch nötig, noch gesund, denn Multitasking funktioniert nicht. Wenn Sie das Gegenteil glauben, bleiben Sie bei mir, ich werde es Ihnen gleich beweisen. Nehmen wir für einen Moment an, wir wären uns darin einig, dass Multitasking, also das parallele Arbeiten an mehr als einer Aufgabe mit voneinander unabhängigen Zielen zur selben Zeit,  nicht funktioniert.  Warum lassen wir uns dann trotzdem darauf ein?

Multitasking macht süchtig

Ok, ich gebe es zu, Begriffe wie „Achtsamkeit“ gehen mir schwer über die Lippen und nicht umsonst gehen wir bei AGILEMENT  nicht von solchen „Meta-Ebenen“, sondern vom ganz konkreten Problem aus und versuchen es ebenso konkret zu lösen. (Disclaimer Ende ;-)) Wenn sich also jemand als „Achtsamkeits-Experte“ bezeichnet, oder so bezeichnet wird, wie der dänische Coach Rasmus Hougaard, dann bin ich erst einmal skeptisch. Aber Hougaard sagt Dinge wie „Multitasking macht süchtig“ und fährt fort „Immer wenn Du zwischen den Aufgaben wechselst, wird in Deinem Gehirn Dopamin ausgeschüttet. Du denkst, dass Du effektiv bist, erreichst aber das Gegenteil…“.

Multitasking gibt es nicht

Da hat er Recht, der Mann, und zwar gleich mehrfach:

1. Multitasking gibt es auf neuronaler Ebene eigentlich gar nicht, zumindest nicht, wenn das Gehirn Entscheidungen treffen soll und die „tasks“, die wir  gleichzeitig zu bearbeiten versuchen, voneinander unabhängige Ziele haben. „Mich der einen Sache zuzuwenden heißt, die andere zu unterbrechen.“, fasst Dr. Torsten Schubert, Professor für Psychologie an der Berliner Humboldt-Uni den Forschungsstand zusammen.

2. Das Hin-und Herwechseln zwischen zwei Aufgaben macht etwas mit uns: Es gaukelt uns eine Effizienz vor, die wir gar nicht haben, eben genau so, wie andere Suchtmittel, wie Alkohol, Betäubungsmittel etc. uns etwas vortäuschen, was nicht der Realität entspricht. Da es uns aber gefällt, was wir da vorgespielt bekommen,  wollen wir dieses „Erlebnis“ wiederhaben und auf neurochemischer Ebene gewöhnen wir uns an die entsprechenden Hormonausschüttungen. Das ist der Grund, warum wir so schwer vom angeblichen Multitasking loskommen, denn diesen „falschen Belohnungseffekt“ hat die eine Aufgabe, an der wir konzentriert und ungestört arbeiten, für uns nicht in petto. Hier bekommen wir die Belohnung erst am Ende der erfolgreich gelösten Aufgabe. Und wir alle wissen seit Kindertagen, dass das Warten auf das, was unser Bedürfnis befriedigt, das Schlimmste überhaupt ist ;-). (Vgl. meine „Hymne“: I want it all, and I want it now von QUEEN)

Multitasking funktioniert nicht

Zu Beginn des Textes hatte ich einen Beweis dafür angekündigt, dass Multitasking nicht funktioniert. Im Gegenteil: Sie sind nicht nur schneller, wenn Sie zwei Aufgaben konzentriert nacheinander erledigen, die Qualität Ihrer Arbeit ist auch besser. Dieser Beweis stammt nicht von mir, ich setze ihn aber sehr gern im Seminar ein. Also:

  1. Test auf https://www.foerderland.de/organisieren/news/artikel/multitasking-teste-dich-selbst/ machen (und zwar ehrlich, bitte!)
  2. Kurz darüber nachdenken, was das für Aufgaben bedeutet, die nicht so trivial sind, wie die, die Sie gerade gelöst haben.
  3. Meine Zeiten: 50 Sekunden / 23 Sekunden, und Ihre?

Dr. Andreas Kellner

Andreas Kellner ist Vater zweier Töchter, promovierter Politikwissenschaftler und Geschäftsführer dreier Firmen. Selbstorganisation war für ihn lange reine Notwehr, heute gibt er Seminare zum Thema.

Das Unplanbare planen? Bewegungsfreiheit schaffen!

Das Unplanbare planen? Bewegungsfreiheit schaffen
Das Unplanbare planen? Bewegungsfreiheit schaffen

Kann man das Unplanbare planen? Soll man es überhaupt versuchen? Eine der radikalsten Antworten auf diese Frage findet sich in Carl von Clausewitz‘ berühmtem Buch Vom Kriege. Clausewitz lehrt, in unseren Worten, dass man nicht versuchen solle, für das vorzuplanen, was wahrscheinlich passieren wird, sondern was im schlimmsten Fall passieren kann. Geht das? Und ist es außerhalb von Clausewitz‘ Fokus der Militärstrategie überhaupt anwendbar.

Macht Tagesplanung Sinn?

Einer der Einwände, die in den AGILEMENT-Seminaren am häufigsten gegen Instrumente wie die Tagesplanung vorgebracht werden, lautet in Variationen: „In meinem Job weiß ich nie, was passieren wird, Planung macht keinen Sinn, es klappt eh‘ nicht.“ Ich denke, das ist für die meisten von uns ein naheliegender Gedanke. Die Dinge des Tagesgeschäfts prasseln auf uns ein – E-Mails, Telefonate, Kollegen, die ins Büro kommen – was sollen wir da planen? Und nein, Clausewitz hilft uns da wahrscheinlich nicht weiter, denn wenn wir ständig versuchen, unsere Reaktion auf das zu planen, was unsere „Feinde“ (= alle, die uns in der Konzentration auf unsere Arbeit stören) im schlimmsten Fall tun könnten, würden wir entweder verrückt werden oder müssten wohl den Weg ins Eremitentum gehen.

Bewegungsfreiheit statt Perfektionismus

Und was soll das nun heißen? Gar nicht planen und sich täglich aufs Reaktionsschießen freuen? Im Gegenteil: Wir sollen unseren Tag planen, aber nicht trotz, sondern gerade wegen der vielen unplanbaren Dinge. Wir müssen nur, und das ist wichtig, einen wichtigen gedanklichen Wandel vollziehen: Ein Plan ist nicht dazu da, dass er immer perfekt funktioniert und wenn er es nicht tut, haben wir versagt. Ein Plan ist dazu da, uns Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Und zwar (a) für die Dinge, die wir tun WOLLEN und (b) gegenüber den Dingen, die uns einfach passieren und die außerhalb unserer Kontrolle liegen.

Was das konkret bedeutet und warum Bewegungsfreiheit nicht nur im beruflichen, sondern auch im privaten Leben eine Trumpfkarte ist, mehr in Kürze hier.

Dr. Andreas KellnerAndreas Kellner ist Vater zweier Töchter, promovierter Politikwissenschaftler und Geschäftsführer dreier Firmen. Selbstorganisation war für ihn lange reine Notwehr, heute gibt er Seminare zum Thema.

AGILEMENT Praxis: Aufgaben mit Anhang durch Mail an mich selbst

AGILEMENT Praxis: Aufgaben mit Anhang durch Mail an mich selbst
AGILEMENT Praxis: Aufgaben mit Anhang durch Mail an mich selbst

Jede E-Mail stellt eine Aufgabe für uns dar; Dinge, die ich tun muss. Wenn wir uns nun Zeit für die Dinge verschaffen wollen, die uns wirklich wichtig sind – unsere Ziele – dann ist es unbedingt notwendig, effizient mit unseren Aufgaben umzugehen.

Einfach und mächtig: E-Mail an mich

Alle E-Mails (=Aufgaben) aus unserem Posteingang, landen zunächst in unserem DO-Ordner. Somit haben wir genau EINE Liste, in der alle unseren aktuellen Aufgaben erfasst sind. Es gibt aber auch Aufgaben, die nicht über eine E-Mail auf uns zukommen, sondern z.B. bei Telefonkonferenzen oder auf Zuruf entstehen. Klare Empfehlung in diesen Fällen: E-Mail an mich selbst.  Besonders gut geeignet ist die Mail an mich selbst, wenn ich für eine Aufgabe einen Anhang benötige. Wie das am einfachsten funktioniert zeigen wir Euch in einem kurzen Video:

AGILEMENT Praxis: Aufgaben mit Anhang durch Mail an mich selbst

Das Ziel im Mittelpunkt – AGILEMENT-Seminar in Stuttgart

Sieht nach Arbeit aus? Die Themen der Teilnehmer beim AGILEMENT-Seminar in Stuttgart
Sieht nach Arbeit aus? Die Themen der Teilnehmer beim AGILEMENT-Seminar in Stuttgart

In jedem AGILEMENT-Seminar kristallisiert sich sehr schnell heraus, welches Thema den Teilnehmern besonders am Herzen liegt. So auch am letzten Freitag in Stuttgart. Diesmal war das Thema Ziele dasjenige, das für den meisten Gesprächsstoff sorgte und bei dem der Schuh offenbar bei vielen der Teilnehmer im Alltag besonders drückt.

Wie man Ziele erreicht, statt sie nur zu haben

Was sind eigentlich Ziele? Wie unterscheiden sie sich von Aufgaben? Wie sorgt man dafür, dass man sie im Auge behält, an ihrer Umsetzung tatsächlich arbeitet und tatsächlich erreicht? Große Fragen, denen man nur beikommt, wenn man sie im Alltag ganz konkret und nicht theoretisch löst. „Was muss ich dafür genau tun?“, ist auch beim Thema Ziele erreichen der entscheidende Punkt und vielen Teilnehmern ist bewusst geworden, dass genau deshalb eine realistische Tagesplanung oft der Schlüssel zum Erfolg ist.

Jetzt heißt es für alle: dranbleiben und den Schwung des Seminars mit in den Alltag nehmen. Zunächst aber vielen Dank an alle Teilnehmer und die Teams von Der Kreis GmbH in Leonberg und Matchplan GmbH in Stuttgart; es hat viel Spaß gemacht!

Dr. Andreas Kellner

Andreas Kellner ist Vater zweier Töchter, promovierter Politikwissenschaftler und Geschäftsführer dreier Firmen. Selbstorganisation war für ihn lange reine Notwehr, heute gibt er Seminare zum Thema.

AGILEMENT Praxis: Tagesplan im Outlook-Kalender

AGILEMENT: Tagesplan im Outlook-Kalender
AGILEMENT: Tagesplan im Outlook-Kalender

Mit AGILEMENT wollen wir mehr Ziele erreichen, statt viele Ziele zu haben. Um das erfolgreich umsetzen zu können, muss unser Tag unter anderem  realistisch geplant sein, damit wir nicht den Überblick über unsere Termine bzw. Aufgaben verlieren und in Stress geraten.

Wir selbst verwenden dazu einen schriftlichen Tagesplan auf Papier, den man überall mit hinnehmen kann und sofort zur Hand hat. Aber selbstverständlich geht das genauso gut in unserem Outlook-Kalender. Wie der Tagesplan dort einfach verwendet wird, zeigt Euch unser neues Video:

AGILEMENT Praxis: Tagesplan im Outlook-Kalender